• Bronislav HUBERMAN
  • *1882  +  1947
Daß er einer der, wenn nicht der führende Geiger seiner Generation war, das vergaßen auch die deutschen Musik Freunde in "1000 Jahren" nicht. Jenseits der deutschen Grenzen war und blieb Huberman eine Ikone: Das Loblied seines stilistisch wie technisch unvergleichlich sicheren Spiels sangen das Publikum, die Kritiker -- und sämtliche Musiker-Kollegen, auch und vor allem die Geiger!

Über Hubermans singulären Rang bestand kein Zweifel.

Bronislav Huberman war schon zu lebzeiten legendär und hoch geehrt, einer der großen Geiger der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts. Eine Zeitlang wohnte er in Schloss Hetzendorf in Wien, engagierte sich sehr für die jüdische Sache in Palästina, war Gründervater von Israel Philharmonic, bekannte aber noch 1932: ,,Ich war immer der Überzeugung, daß nur Europa dem jüdischen Genius zur rechten Entfaltung verhelfen könne“.
Ein Jahr später übernahm Hitler in Deutschland die Macht, und Bronislaw Huberman wurde nolens volens zu einem Geiger im Exil.
Wilhelm Furtwängler versuchte im Verein mit dem in Berlin ungemein beliebten und verehrten Huberman den Bann im nationalsozialistischen Deutschland zu brechen. Sein Brief an den Geiger, In dem er meinte, einer müsse ja anfangen "die Mauer niederzureißen", ist ebenso legendär wie Hubermns Antwort: Der Geiger pochte darin auf die Freiheit des Individuums und ließ keinen Zweifel daran, daß alle, die daran dachten, sich mit dem Regime zu arrangieren, In eine Falle laufen würden.

Das reinste Zeugnis von Hubermans unfehlbarem musikalischen Geschmack sind vielleicht seine Bach-Solo-Aufnahmen, wenn er etwa den Tanz-Sätzen der Partiten bei aller glasklaren Diktion ihren Charme und ihre schwebende Leichtigkeit sichert. Fragen nach einem — ohnehin immer undefinierbarem — Originalklang stellen sich bei solch musikantischer Natürlichkeit und solch technischer Beherrschung erst gar nicht. Auch ein Hörer des XXI. Jahrhundert hört das mit Genuß -- und vor allem: mit Gewinn!