• Viktor PIKAIZEN  (* 1933, Kiev)
Beim steirischen Festival in St. Gallen entstand ein Mitschnitt von Pikaizens Soloprogramm von 1988. Da wagte sich der Geiger in den Olymp und spielte alle sechs Solosonaten von Eugene Ysaye. Das traut sich kaum ein Violinist. Und angehörs des Mitschnitts darf man getrost behaupten: Eine bessere Gesamtdarstellung dieses Geigerkompendiums gibt es nicht.

Viktor Pikaizen, wie etwa der viel berühmtere Gidon Kremer ein Schüler von David Oistrach, war einer der faszinierenden Geiger des ausgehenden XX. Jahrhunderts.






Apropos Oistrach: Der wuchtige Ton, mit dem das Grave der Sonate Nr. 1 anhebt, und dessen hoher Vorgabe in Sachen Expressivität das Spiel Pikaizens durchwegs gerecht wird, sollte nicht über die eminente Wandlungsfähigkeit des Interpreten hinwegtäuschen; Schon der Ausklang des Satzes tönt ganz anders, behutsam modelliert, zerbrechlich; er mündet in die anschließende Fuge, eine kontrapunktische Meisterleistung des Komponisten wie seines Exegeten. Von da an ist der Hörer rettungslos gefangen. Hier paart sich musikalisches Ausdrucksstreben, das Pforten zur Moderne aufstößt, mit strengster Formbeherrschung.

erschienen bei PODIUM