GUNDULA JANOWITZ

Die goldene Stimme

Sie war – nicht nur an der Wiener Staatsoper – über lange Jahre die selbstverständliche Besetzung der Ariadne, der Arabella oder der Figaro-Gräfin. Und, man gestatte die sehr persönliche Anmerkung, ich gebe unumwunden zu, meist sehr enttäuscht gewesen zu sein, wenn in der Ära, in der die Janowitz die führende Vertreterin ihres Faches war, eine Kollegin versucht hat, eine andere Interpretation anzubieten. Wenn die Janowitz wiederkam, dann war, da waren sich die Opernfreunde ziemlich einig, die ideale Stimme zu hören: ein klarer, bis in die höchsten Regionen ebenmäßig schöner Sopran, instrumental geführt und doch voll seelenvoll mitschwingender Emotion.

Wie bei allen wirklich großen Künstlern ist auch bei Gundula Janowitz das Paradoxon verwirklicht: volle intellektuelle Kontrolle über das, was sich eigentlich nicht kontrollieren läßt. Darüber zu reden fällt schwer. Immerhin: Die große Sängerin hat lange Zeit versucht, ihren jungen und jüngsten Kolleginnen das bei Ferienkursen beizubringen. Und sie gab in seltenen, schönen Momenten lange nach ihrem Rückzug von den internationalen Podien, Mitte der Achtzigerjare, auch noch Liederabende, die an jenen Opernglanz erinnern, dem sich die Künstlerin seit langem verweigert.

Daß ihre mit Herbert von Karajan erarbeitete, ganz und gar spontan und ehrlich klingende Aufnahme der vier letzten Lieder von Richard Strauss schon lange so etwas wie Legendenstatus besitzt, mag tröstlich sein: Der Stimme will und darf man immer wieder lauschen.

4797725jpg  Die "Vier letzten Lieder" (1973)

Ariadne Wien livejpg Legendärer Moment der Wiener Interpretationsgeschichte: "Ariadne auf Naxos", 1976 in der Staatsoper unter Karl Böhm: Gundula Janowitz, James King und Edita Gruberova, die an diesem Abend ihren internationalen Durchbruch erlebte.



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