René FLEMING

American Diva mit böhmischen Wurzeln 

„Er hat mich auf einer Kassette gehört”, sagt Renée Fleming auf die Frage, wie es zu der für ihre Karriere vielleicht entscheidenden Begegnung mit Sir Georg Solti kam. Für den Dirigenten war die Fleming über Jahre die bevorzugte Sopranistin auf den internationalen Bühnen wie im Schallplattenstudio. Die voll tönende, im lyrischen wie im jugendlich dramatischen Fach gleichermaßen überzeugende Stimme der Amerikanerin hat Soli so für sich eingenommen, dass er sogar eine CD mit Opernausschnitten höchstselbst begleitet hat – „eine besondere Ehre für mich”, kommentierte die dieserart geadelte Künstlerin im Gespräch mit der "Presse" 1997: „Für mich hat er sogar erstmals den Schluß von Richard Strauss' Daphne einstudiert”.

Außerdem im Repertoire dieser Präsentations-Aufnahme: Tschaikowskys „Eugen Onegin”, Dvoraks „Rusalka”, Mozarts „Figaro”. Die Spannweite der Sängerin war stets enorm, schon in ihren Pionierjahren, in denen sie übrigens als Gast im Salzburger Landestheater einmal die Konstanze singen durfte. „Dann habe ich in Amerika wieder weiterstudiert”.

In Wien hat die Künstlerin, als sie bereits "die Fleming" war, nur wenige Partien gesungen, zweimal die Donna Elvira, fünfmal die Figaro-Gräfin, viermal die Marschallin. Nur als Gräfin Madelleine in Richard Strauss' "Capriccio" konnte man sie nach der Premiere der Marelli-Inszenierung von 2008 (unter Philippe Jordan) über einige Spielzeiten hinweg immer wieder erleben. Ihre raren Auftritte erklärte die Diva schon am Beginn ihrer internationalen Karriere so: „Ich wohne in New York, habe zwei  Kinder und mag nicht wegen einigen Aufführungen innerhalb zweier Wochen nach Europa kommen. Außerdem planen die amerikanischen Häuser, die bei mir sozusagen um die Ecke erreichbar sind, viel früher als die europäischen.”

Ganz abnabeln wollte sich Renée Fleming jedoch vom alten Kontinent nie: „Ich denke vor allem gern daran, daß ich in Frankfurt Liedgesang studiert habe, bei Robert Holl und Elisabeth Schwarzkopf. Und ich möchte in Zukunft viel mehr Lieder singen, nicht mich so auf die Opernbühne beschränken wie bisher.”

Auch was die Stücke anlangt, in denen sie auftrat, hat die Sängerin jede Einseitigkeit vermieden. Wer da überrascht ist, wie gut die Fleming eine Partie Dvoráks „Rusalka” in tschechischer Sprache bewältigt, dem enthüllte sie gesprächsweise noch eine weitere Europa-Bindung: „Meine Großeltern waren aus Prag und haben daheim auch immer Tschechisch geredet. Da habe ich den Klang der Sprache mitbekommen. Ich mag überhaupt Sprachen, ob Italienisch oder Russisch.” Deutsch spricht René Fleming jedenfalls perfekt.

Eine Zeitlang bevorzugte die Künstlerin das Französische, vor allem die Musik Jules Massenets: „Ich liebe es, pianissimo zu singen, dann aber braucht meine Stimme wieder Gelegenheit, sich zu entfalten. Genau für diese Mischung hat Massenet komponiert.”

Publikum und Kritik waren stets hingerissen von den Richard-Strauss-Interpretationen der Sopranistin, die sie am liebsten mit dem Pianisten und Dirigenten Christoph Eschenbach erarbeitet hat: "Wir haben gemeinsam in Houston debütiert und er ist einer der wunderbarsten Künstler, um Stücke genau und einfühlsam einzustudieren. Deshalb habe ich die Marschallin mit ihm erarbeitet, die Arabella und verschiedene Liedprogramme. Es ist wunderbar, wenn ein Dirigent auch ein hervorragender Pianist ist und selbst begleiten kann!”

Gelernt hat die Amerikanerin aber auch – wenn auch nur als Zuhörerin – von Kollegen aus dem Jazz-Bereich: „Da gibt es viel mehr Berührungspunkte, als die Leute glauben. Und die Fähigkeit zur Improvisation brauchen Sängerinnen zum Beispiel für das Belcantofach.”


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