KARL RIDDERBUSCH

Der ideale Hans Sachs seiner Generation (1932-1997)

Der gebürtige Recklinghausener war während der siebziger und frühen achtziger Jahre von den internationalen Bühnen nicht wegzudenken, wenn es darum ging, den „Ring des Nibelungen”, den „Tristan”, die „Meistersinger” oder „Lohengrin” zu besetzen. Seine Stimmgewalt, die er für Hagens Mannenruf in aller Deftigkeit ausnützte, für König Markes Monolog aber in die Regionen feinfühliger Charakterzeichnung zurücknehmen konnte, bleibt Opernfreunden unvergessen. Ridderbusch war einer jener Sänger, die von ihrem Können wenig Aufhebens machten, weil sie über ihre Mittel mit einer Selbstverständlichkeit gebieten, die auch angesichts der kompliziertesten Anforderungen den Anschein höchster Mühelosigkeit wahrt.

Es kam, weil er sich nie ein Blatt vor den Mund nahm, hin und wieder auch zu unliebsamen Auseinandersetzungen wie jener, die Ridderbusch von seinem überzeugten Förderer Herbert von Karajan entzweite. Das war anläßlich der Osterfestspiele 1976, wo Ridderbusch während der vorangegangenen Jahre seinen weltweiten Ruf als führender Wagnerbaß mit überwältigenden Darstellungen des Hagen und vor allem des Hans Sachs zementiert hatte.

Das war so überzeugend gelungen, daß sich Ridderbusch dem Wiener Publikum sogar mit der heikelsten Herausforderung, dem Ochs auf Lerchenau in Strauss' „Rosenkavalier” präsentieren konnte – und siegte. Obwohl seine Diktion weiß Gott nicht dem wienerischen Idiom entsprach. Wie Ridderbusch derartig vielschichtige Charaktere verkörperte, das machte ihn in seiner Generation zum führenden Vertreter des Faches.

Die notorische Talenteschmiede Bayreuth war auf den deutschen Sänger bereits Ende der sechziger Jahre aufmerksam geworden, als er im Gefolge seiner Ausbildung in Münster und Düsseldorf mit kraftvollen Tönen aufhorchen ließ. Danach waren die größten Bühnen von Mailand, München, Wien, New York und Paris seine Heimstätte. Im März erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft. Er war Mitglied des „Weltensembles”, bis zu jenem Zeitpunkt in den achtziger Jahren, als eine schwere Erkrankung ihn aus seinen künstlerischen Höhenflügen riß. Karl Ridderbusch hat sich davon nie ganz erholt. Er starb 65jährig in Wels an einem Herzleiden. 

Die Erinnerung an machtvolle Operntöne ist nicht verblasst, nicht zuletzt dank zahlreicher Aufnahmen, die erhalten blieben.

4577952jpg   "Götterdämmerung", DG 1970




Sinkothek Banner schmaljpg      Beckmessers Diariumjpg