ANTON von WEBERN  (1883 - 1945)

Musik, aus der Stille geboren

Der Januskopf unter den Modernen: als Komponist trieb er die Neuerungen der Avantgarde auf die Spitze, reduzierte seine Werke aufs absolut notwendigste und brachte präzise Aussage und kontruktive Perfektion in oft nur Sekunden dauernden Stücken vollkommen zur Deckung. Als Mensch liebte er die Berge, pflegte zeitlebens deutschnationale politische Überzeugungen - auch als sein verehrter Lehrer längst ins Exil vertrieben und seine eigene Musik als "entartet" verboten war. Dieses persönliche Rätsel wird die Geschichtsschreibung wohl nie lösen können; doch bleibt Anton von Weberns Name als der Meister aller musikalischen Avantgardisten, die nach 1945 neue Wege suchten. Die hoch artifizielle Anverwandlung der Schönbergschen Zwölftonmethode durch den Schüler, dem schon der Lehrer "Mut" bescheinigte, regte die Enkel-Generation zu immer neuen konstruktiven Denkmustern an.
Die daraus folgende Inteellektualisierung steht merkwürdig quer zu Anton von Weberns Einstellung zum Musikmachen: Janusköpfig scheint er auch hier, wenn er etwa angesichts seiner streng zwölftönig organisierten Symphonie (op. 21) fordert: "Schwelgt in Klängen, dann tut ihr recht, Dirigenten". Auch scheinen ihm vor seinem inneren Ohr jeweils weitaus langsamere Tempi (die der Entfaltung solche "schwelgerischen Klängen" dienlich sein könnten) vorgeschwebt zu haben. Die Angaben über die Dauer seiner Werke weichen meist drastisch von ihrer tatsächlichen Kürze ab.
Insofern hat vielleicht die viel beachtete Initiative Herbert von Karajans mit seinen Berliner Philharmonikern, Mitte der Siebzigerjahre, mehr zum richtigen Verständnis der Musik Weberns beigetragen als die viel gerühmten Aufnahmen von Pierre Boulez, der eher nüchtern die konstruktive Seite der kompositorischen Arbeiten Weberns betont. Unentbehrlich für die Auseinandersetzung mit Weberns Musik bleiben Boulez' Gesamtaufanhmen (auf CBS bzw. DG) jedenfalls. Doch sollte man den Vergleich mit Karajans "Klangsinnlichkeit" schon auf Grund von Weberns eigener Aussagen nicht scheuen.

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