Wer war John A. Fisher?

Joseph Haydn ging einst nach London und machte dort Furore. Das weiß die Musikwelt. Aber, fragt man sich, was war in der englischen Metropole los, bevor Haydn kam? Eine Antwort darauf gibt die neue CD, die sechs Symphonien von John Abraham Fisher enthält, der lang vor Haydns Engagement eine der führenden Figuren im Londoner Musikleben war. Vor allem als Theaterkomponist und Opernkapellmeister war der 1744 geborene Komponist geschätzt, ehe er Ende der Siebzigerjahre zu einer Europa-Tournee aufbrach, die ihn auch nach Wien führte, wo er sich nachweislich 1784 aufhielt. Da waren seine Symphonien schon geschrieben – sie entstanden etwa gleichzeitig mit den sogenannten Sturm-und-Drang-Symphonien Haydns und zeigen einen Meister auf der Höhe seiner Zeit.

Gewiß, den Ton, der eine simple Melodie zu einem Ohrwurm macht, die Modulation, die eine Harmonie bezaubernd wirken lässt und ihre Schöpfer zu Genies stempelt, diese „fernen Klänge“ hat Fisher nie gefunden. Aber seine Musik kennt alle technischen Raffinements, die in jener Ära von Mannheim, der Residenz des allerbesten Orchesters, in die Welt gingen. Sie spricht die Lingua franca der frühen Klassik und ist architektonisch durchwegs wohlgebaut.

Und eine zweite Frage beantwortet dieses Album: Was ist aus dem in der Ära Ioan Holenders in Wien viel beschäftigten Kapellmeister Michael Halász geworden? Er dirigiert in Pardubice Musik von John Abraham Fisher und nimmt sie mit dem dortigen Kammerorchester auf. So bereichert er unser CD-Repertoire um sechs Stücke, die wunderbar fürs heute so genannte Easy Listening taugen. Verächter der allgegenwärtigen „Originalklang“-Ästhetik müssen sich nicht ängstigen, hier ist sie abwesend. So klang es früher einmal auf Ö1 um halb sieben Uhr früh . . .


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