• Leopold GODOWSKY  (* 1870, Vilnius    + 1938, New York)
  • für Kenner die Nummer 1 unter den Pianisten seiner Zeit
Oft hat man ihn als Schüler von Camille Saint-Saens bezeichnet, war offenkundig nicht zutraf. Godowsky spielte dem Komponisten als junger Mann ein paar Male vor und der Meister befand stets, sein Spiel sei "charmant" oder "admirable". "Selbst wenn das tatsächlich so gemeint war", kommentierte Godowsky, "kann man es kaum als konstruktive Kritik bezeichnen". Im wesentlichen betrachtete sich Godowsky als Autodidakt - und wurde der "Pianist für Kenner", für Musiker vor allem, die erkannten, über welch exzeptionelle Qualitäten dieser Mann verfügte.

Vor Publikum gab sich Godowsky in der Regel eher verschlossen und nicht geneigt, von seinem immensen Ruhm, den er in Fachkreisen genoß, wirklich Gebrauch zu machen. Der stets kritische George Bernard Shaw sprach von einer "nicht unsympathischen Scheu, die ihn davor zurückhielt, sein Talent so eindrucksvoll zur Geltung zu bringen, daß man ihm die Anerkennung gezollt hätte, die ihm zugestanden wäre."


Was Godowsky musikalisch und technisch konnte, verraten seine Klavierwerke, allen voran die "Etüden über die Chopin-Etüden", die das, was Chopin in seinen beiden Etüden-Reihen vorgelegt hatte, sozusagen zum Quadrat erhoben. Einige der Stücke setzte Godowsky für die linke Hand allein (!), hie und da ließ er zwei Etüden, die in derselben Tonart stehen, gleichzeitig abwickeln (!). Ähnliche kontrapunktische Kunststücke gelangen ihm in seinen "Metamorphosen Johann Strauß'scher Themen", die oft vier oder fünf Walzerthemen übereinanderschichten. Pianisten, denen es gelingt, dabei auch noch den Walzer-Schwung zu wahren, waren immer rar; und sind vermutlich ausgestorben.

Die besten Aufnahmen der aberwitzig schwierigen Werke lieferte Godowskys Schwiegersohn David Saperton. Seine Version von "Künstlerleben" ist in ihrer geradezu ätherischen Leichtigkeit unübertroffen.

Saperton spielte auch sämtliche "Etüden über die Chopin-Etüden" für Schallplatten ein, eine Herausforderung, an die sich später noch Marc-André Hamelin wagte.

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