JONGMIN PARK

Der koreanische Basso cantante im Gespräch (2018)


Er ist einer jener jungen Sänger, die zum illustren Stamm des Wiener Staatsopern-Ensembles gehören und von hier aus große Karriere machen: Der Südkoreaner Jongmin Park ist in den vergangenen vier Spielzeiten zu einem der beliebtesten Mitglieder des Hauses geworden. War er in der Premierenserie von Verdis „Macbeth“ noch der Spion, sang er ein knappes Jahr später bereits ehrfurchtgebietend den Banco.

Hellhörige Stammbesucher wurden auf den dunkel leuchtenden Bass schon aufmerksam, als er noch als Stichwortbringer agierte, etwa in „la Traviata“, „Faust“ oder „Fanciulla del West“. Längst ist er ein Publikumsliebling geworden und vermag sogar als nobler Basso cantante einer Aufführung wie jüngst jener von Bellinis „Puritani“ durch erlesenen Schöngesang seinen Stempel aufzudrücken.

Demnächst ist Park erstmals der Figaro (in der Aufführungsserie von „Le nozze di Figaro“, die am 12. Februar beginnt), dann wieder Hunding in der Gesamtaufführung von Wagners „Ring des Nibelungen“ unter Adam Fischer.

Wiens Staatsopern-Direktor hat Park bei einem Gesangswettbewerb entdeckt: „Ich hatte das Glück“, erzählt Jongmin Park, „dass Dominique Meyer gleich zweimal Präsident der Jury war. Nach meinem Sieg beim ersten Stella-Maris-Wettbewerb hat er mich als Gast engagiert. Ich sang den Colline in der ,Bohème‘. Damals war ich in Hamburg unter Vertrag, aber Meyer bot mir an, nach Ablauf dieser Verpflichtung nach Wien zu kommen. Und da bin ich nun.“

Park hat schon den Abschluss seiner Lehrzeit an einem der großen europäischen Opernhäuser absolviert. Nach seinem Gesangsstudium hat der Sohn einer Musiklehrerin ein Stipendium der Accademia der Mailänder Scala bekommen, „das war ein tolles Programm“, schwärmt er, „das damals noch von der italienischen Regierung finanziert wurde, sodass die Studenten in Mailand leben konnten, um hier mit großen Sängern zu arbeiten.“

Da übertreibt er nicht. Immerhin konnte er dort mit Mirella Freni, Luigi Alva und Renato Bruson arbeiten.


Gitarrist in einer Rockband. Vorbereitet war er dafür durch seine Mutter: „Sie war Sopran, natürlich nicht weltberühmt, aber sie sang Opern und Oratorien, und ich glaube, es war ihr Einfluss, der mich auf ganz selbstverständliche Weise zur Musik geführt hat. Ich hörte sie üben, wir hörten miteinander CDs. Das war, glaube ich, ein guter Einstieg; gar nicht erzwungen – ich war ja zuerst Gitarrist in einer Rockband. Und in der Schulzeit dachte ich: Singen, das wäre ein schönes Hobby, bis mir auffiel, dass ich in zwei Dingen einfach besser war als in allen anderen Fächern: Sport und Musik.“

Parks Vater sah das nicht so gern, „er hätte gern gehabt, dass ich Arzt werde oder Jurist. Aber als ich den ersten Wettbewerb gewann, meinte er: ,Okay, das ist dein Leben. Ich kann dir dabei nicht helfen, aber ich wünsche dir alles Gute.‘“

So wurde das Hobby zum Beruf. Und der Sport? Jongmin Park lacht: „Ja, ich würde gern weiterhin viel Sport betreiben. Aber außer, dass ich hie und da schwimmen gehe, habe ich dazu überhaupt keine Zeit. Ich lerne unentwegt neue Rollen. Die meisten davon sehr groß. Aber Yoga mache ich regelmäßig.“

Die nächste Herausforderung ist natürlich der Figaro. „Unglaublich“, sagt Park, „allein die langen Rezitative, die Ensembles, drei Arien – und wie bewegungsintensiv diese Partie ist. Ich bin mir völlig im Klaren darüber, dass der ,Figaro‘ eine der berühmtesten Opern der Welt ist und dass man bei einem solchen Debüt niemals die volle Leistung bringen kann. Bis man diesen Figaro wirklich so beherrscht, dass das ganz locker und komödiantisch funktioniert. Es dauert sicher eine Zeit lang, bis man die Leute im richtigen Moment auch zum Lachen bringt. Beim ersten Mal muss das vor allem einmal möglichst fehlerfrei abschnurren. Wenn man die Partie dann im Körper und im Herzen hat, kann man anfangen, ein bisschen zu improvisieren.“

Wie erarbeitet sich ein junger Sänger solche Großkaliber? „Ich höre mir CDs an, schaue verschiedene Produktionen auf DVD. Ich möchte ja wissen, worum es da genau geht. Dann treffe ich erst den Pianisten, um die schwierigsten Passagen einzustudieren. Danach die Ensembles und zuletzt die am wenigsten anspruchsvollen Sachen.“

Wie lang das dauert? „Nach einer Woche weiß man, wie die Sache ungefähr läuft. Dann beginnt das Detailstudium: Man klopft Wort für Wort auf seine Bedeutung ab, liest auch historische Bücher und analytische Literatur. Das mache ich parallel zum Auswendiglernen.“


Aus Wien an die Met. Das hält er für wichtig, denn: „Wenn die Sänger nur Stimme verströmen, dann ergibt das vielleicht eine gute, aber keine exzellente Aufführung.“ Exzellent gelang jüngst der Einstand in Bellinis „Puritani“: „Die hatte ich mit demselben Dirigenten, Evelino Pidó, schon für das Gastspiel der Madrider Produktion beim Festival von Savonlinna studiert“, erzählt der Bassist.

„Mit einem solchen Dirigenten zu arbeiten ist eine reine Freude. Er nimmt das Belcanto-Repertoire sehr ernst und arbeitet mit uns Sängern fanatisch am richtigen Stil.“

Dass das bei Park auf fruchtbaren Boden fällt, weiß man mittlerweile international. Demnächst geht es in die USA, vorerst nach Dallas, übernächste Saison dann bereits an die Met . . .



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