Kirill Petrenko

Der charismatische Mann aus Omsk, von der von Vorarlberg aus die Welt eroberte und vom Münchner GMD zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker wurde
An der Wiener Staatsoper bewies Kirill Petrenko mit dem „Rosenkavalier“ seinen singulären Rang.
Man muss ein wenig ausholen: In München raunen sich die Opernfreunde zu: "Das hat's seit Kleiber nicht mehr gegeben“. Der Generalmusikdirektor hat frischen Wind ins Opernleben der Isar-Metropole gebracht und zumindest an den Abenden, an denen er selbst am Pult steht, das Niveau enorm gehoben. Hie und da hat Kirill Petrenko zwischendrin auch noch hie und da ein wenig Zeit für Wien. An der Staatsoper dirigierte er einen „Rosenkavalier“, wie man ihn tatsächlich seit Carlos Kleibers legendären letzten Auftritten, 1994, nicht mehr gehört zu haben meint.

So detailverliebt modelliert, so herzhaft musiziert: Man spürt förmlich, wie viel Spaß es den philharmonischen Musikern macht, den fanatisch abgestuften dynamischen und artikulatorischen Vorgaben dieses grandiosen Gestalters zu folgen. Dass Richard Strauss jede Pointe, ja sogar jeden Hintergedanken, der in Hugo von Hofmannsthals Text mitschwingt, in musikalische Bilder und Farben umgesetzt hat, weiß man. Das Stück hat den Ruf, allzu angereichert mit Aperçus und klingenden Fußnoten zu sein. Vieles bleibt daher in aller Regel Notenpapier, denn unterm Jahr spielt man notgedrungen über zahlreiche der vielen Nuancen hinweg.

Wenn freilich ein solcher Dirigent am Pult steht, dann wird jeder einzelne Philharmoniker zum Märchenerzähler, und alle miteinander realisieren die sonst als unrettbar überladen geltende Partitur, als wär's durchsichtigste Kammermusik.

Allein die Valeurs, die die Holzbläser schon in den ersten Minuten der Oper finden, abschattiert vom fröhlichen Vogelgezwitscher bis zur vorgetäuschten morgendlichen Migräne der Feldmarschallin, sind ereignishaft. Wie das philharmonische Kollektiv dann den lockeren, duftigen Parlando-Ton in die lyrischen Passagen herüberrettet und etwa die Duette von Sophie und Octavian im zweiten und dritten Akt mit zartesten Pinselstrichen untermalt, das zählt zu den außerordentlichen Momenten in der Wiener Interpretationsgeschichte . . .


(Marschallin: Soile Isokoski, Ochs: Peter Rose, Octavian: Alice Coote, Sophie: Chen Reiss)





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