non abbiamo un soprano

Als Jonas Kaufmann auf Angela Gheorghiu warten musste 


"Ah, non abbiamo un soprano", sang Jonas Kaufmann, ehe das Orchester zu spielen aufhörte und alle ratlos auf die große Treppe blickten, über die Tosca erscheinen - sollte. Angela Gheorghiu hatte, so heißt es, nicht damit gerechnet, dass ihr Tenor-Kollege für die Wiederholung der Cavaradossi-Arie keinen Applaus mehr bekommen würde und war aus ihrer Garderobe nicht rechtzeitig zur Stelle. Zuvor war die Aufführung aus ganz anderen Gründen zum Stillstand gekommen: Jonas Kaufmann erhielt für "E lucevan le stelle" mehr als fünf Minuten Applaus. (Möglicherweise ein Rekord in den Staatsopern-Annalen?) Kollegen wie Luciano Pavarotti oder Placido Domingo haben früher einmal ein "Bis" schon nach weniger intensivem Zuspruch gewährt. Doch nachdem es eine Woche zuvor gelungen war, die Wiederholung zu erklatschen, gab der Wiener Stehplatz auch diesmal nicht auf. Die Wiederholung gelang dann - sitzend gesungen - zu einem wahren tenoralen Pianissimo-Fest. Abgesehen von der folgenden Panne - man könnte die Wiener "Tosca"-Unfälle von brennender Perücke bis zu nicht auftretendem Erschießungskommando bald zu einem eigenen Buch verarbeiten - erntete die 587. Reprise der Wallmann-Inszenierung hellen Jubel. Auch, versteht sich, wegen des grandiosen Baron Scarpia von Bryn Terfel.

(April 2016)


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