PALESTRINA

Zumindest London und New York starteten 1997/98 den tauglichen Versuch einer Ehrenrettung von Hans Pfitzners Künstlerdrama.

Die Londoner Premiere von Pfitzners Chef d'Oeuvre 1997 geriet zu einem triumphalen Erfolg, vor allem weil mit Christian Thielemann ein damals noch hoffnungsvoller junger Dirigent aus Deutschland am Pult stand und für Innigkeit und dramaturgische Spannung sorgte, wie sie in diesem Werk selten zu erleben sind. Im ersten Akt zumal, der, wie man bei dieser Gelegenheit erfuhr, zwar weit geatmet ist, aber nicht langatmig klingen muß. Das innere Drama eines Meisters, der aufgefordert ist, die musikalische Tradition der katholischen Christenheit zu retten und der zu scheitern glaubt.

Ein solches Künstlerdrama kann berührend sein wie weniges in der Literatur, wenn man einen Darsteller wie Thomas Moser und einen solchen, Pfitzner gläubig ergebenen Maestro am Pult hat. Das Orchester zauberte auch die scheinbar sperrigen, dunklen Farbkombinationen mit großer Leuchtkraft hervor und formte Momente der stillsten Einkehr (unvergeßliche Pianissimi!) ebenso wie berauschende Steigerungen. Das innige Vorspiel zum dritten Aufzug mit seinem herrlichen Klarinettensolo wird nicht vergessen, wer es Anno 1997 in Covent Garden hören durfte.

Thomas Moser und ein exzellentes Ensemble ließen das Publikum das Künstlerdrama mitreißend erleben. Luxus im Detail: Nicolai Gedda war als alter Patriarch, Ruth Ziesak als junger, lebenssprühender, aber doch nachdenklicher Sohn Ighino, Robert Tear als Bischof von Budoja angesetzt, brillant allesamt, wenn auch vom Regisseur Nikolaus Lehnhoff hier und da ein wenig zu Karikaturen verzerrt.

Immerhin: London hat damit Pfitzners Hauptwerk erstmals „professionell” für Großbritannien einstudiert, was in den englischen Medien heftig kommentiert wurde und weite Kreise zieht: Covent Garden gastiert mit der Produktion im Juli sogar in New York, wo Pfitzner nach wie vor als „belastet” gilt. Wien, neben München bis vor kurzem jene Stadt, in der "Palestrina" seit seiner Erstaufführung zum Fixbestand des Repertoires gehörte, hat Pfitzners Werk seit langem nicht mehr angesetzt . . .


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