REGISSEURS-THEATER UND DAS RECHT

Selbst die Erben von Komponisten, deren Werke noch geschützt sind, haben vor Gericht gegen willkürliche Entstellungen von Werken durch Regisseure keine Chance. 

Wer darf bestimmen, wie eine Oper zu Ende geht? Der Textdichter? Der Komponist? Oder doch eher der Regisseur?
Münchens Opernintendant, der Ex-Schauspieler und –Burgtheaterdirektor Klaus (seit Amtsantritt in München: Nikolaus) Bachler, votiert, wie nicht anders zu erwarten, für die Regisseure. In einem Rechtsstreit mit den Erben von Francis Poulenc und Georges Bernanos beharrt er auf der Aufführung der „Gespräche der Karmeliterinnen“ in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov, der die Schluss-Szene völlig „umgedichtet“ hat. In seiner Version rettet Schwester Blanche ihre Mitschwestern und stirbt als einzige den Märtyrertod. Die Erben von Komponist und Dichter sind bereits 2012 gegen diese mutwillige Verkehrung der Geschichte vorgegangen. Ihre Klage wurde abgeschmettert. Allerdings hat die zweite Instanz den Vertrieb der DVD, die diese Produktion dokumentiert, verboten. Eine spätere Wiederaufnahme der „Karmeliterinnen“ im Nationaltheater ging ohne Veränderungen an der Regie über die Bühne gehen. Die Erben protestieren zwar erneut, denn ihrer Meinung nach wird die Kernaussage des Werks nicht getroffen, wenn nicht alle Nonnen freiwillig in den Tod gehen. Der Herr Intendant Bachler beharrt hingegen. Ihm ist Tcherniakov wichtiger als Poulenc und Bernanos: „Bühnenkunst wird durch freie Interpretation am Leben erhalten, nicht durch vermeintliche Rechtsansprüche“, sagt er.

Die Arroganz der deutschen Intendanten war damit wieder einmal anschaulich dokumentiert. Ähnlich gelagert waren ja Anno 2001 die Klagen von Salzburger Festspielbesuchern, die ihr Eintrittsgeld zurückforderten, weil in der von Hans Neuenfels inszenierung "Fledermaus"-Produktion in der Felsenreitschule alles mögliche zu sehen war, nur nicht die "Fledermaus". Obwohl der gesamte Dialogtext damals neu "gedichtet" worden war, entschied das zuständige Gericht, dergleichen Falle unter die "künstlerische Freiheit". Produzenten solcher Inszenierung seien nicht verpflichtet, die Worte "frei nach Johann Strauß' ,Fledemaus'" in die Programmankündigung zu drucken, die immerhin Klarheit schaffen würde.


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