DER DÄMON

Anton Rubinsteins Oper war ein Lieblingsstück von Gustav Mahler. Grund genug, dem halbvergessenen Werk auf die Spur zu kommen.


Die Bregenzer Festspiele haben Anton Rubinsteins einstige Erfolgsoper „Der Dämon”a ausgegraben und nachgewiesen, warum dieses Werk einmal eine Lieblingsoper Gustav Mahlers war.

Es gibt Meisterwerke und Meisterwerke. Die einen sind so beschaffen, daß selbst mittelmäßige Aufführungen nicht an ihnen zu rütteln vermögen. Die anderen sind fragiler und vertragen nicht den Zugriff mäßig talentierter Interpretenhände. Zu diesen zählt Anton Rubinsteins „Dämon”, ein Werk, das höchst erfolgreich war, solange Gustav Mahler es dirigierte, solange Titelhelden vom Schlage Tita Ruffos oder Fedor Schaljapin verfügbar waren. Seit damals aber ist der „Dämon” von den internationalen Bühnen verschwunden.

Den Bregenzer Festspielen geglücktes Anno 1997, der Rarität lauten Premierenapplaus zu sichern, weil vor allem in musikalischer Hinsicht hochkarätige Voraussetzungen geschaffen wurden. Da sangen Egils Silins den Titelhelden und Marina Mescheriakova dessen Opfer Tamara:

Diese Tamara, ein junger, zunächst unschuldig kichernder und glucksender Backfisch, verstrickt sich im Zuge der Handlung mehr und mehr in jene Phantastereien, die ihm der gefallene Engel mit in die Baritonlage transponierten Sirenentönen suggeriert: An der Seite des Dämons winkt die faszinierende Welt des Unbewußten, jenseits der festen Satzungen für Sitte und Anstand eines Fürstenkindes. Das Mädchen errettet sich vor ewiger Verdammung nur durch den Versuch, den Bösen zu Gott heimzuholen.

Die Musik Anton Rubinsteins zu dieser Handlung, frei nach Lermontow spiegelt mit den Mitteln der russischen Spätromantik Sehnsüchte und seelische Irritationen. Und gerade weil die Antwort auf die Frage, ob man dem Teufel zu widersagen bereit ist,  nicht eindeutig ausfällt, kann "Der Dämon" bis heuteehrlich und fesselnd wirken.


Anlässlich der Bregenzer Premiere bewiesen die Chöre und die Wiener Symphoniker unter Wladimir Fedosejews Leitung, warum einst Gustav Mahler von dieser Partitur fasziniert war. Da webt und raunt es drohend, flirrender Glanz umschwebt die verführerischen Worte des Dämons, unausweichlich läßt die Sogwirkung der Klänge fühlen, wie das Mädchen in den Bann des Bösen gezogen wird. Das Seelendrama führt uns nach zögerlichem Beginn an atemberaubende Abgründe. Für Atempausen sorgt schmückendes Rankwerk, quirlige Tänze, gehauchte Abendstimmungen, erbarmungsloser Schlachtenlärm. Rubinsteins Gratwanderung zwischen russischer Folklore und deutscher Hochromantik verfehlt ihre Wirkung nicht - auf CD ist das nachzuhören.

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