LEOS JANACEK

Musik, der menschliche Sprache abgelauscht  


Einer der großen Eigenwilligen des angehenden XX. Jahrhunderts war der aus Mähren gebürtige Leos Janacek, ein Meister, der die Sprachmelodie seiner Heimat und die Klänge der Natur genau studiert hat und aus diesen Quellen motivisches, klangliches und rhythmisches Material für seine urwüchsige, kräftig pulsierende, leidenschaftliche Musik schöpfte, die mit tonalen Mitteln ganz neue Ziele erreichte.
Janaceks Opern gehören zu den expressivsten Werken der Ära im Zwischenbereich zwischen Spätromantik und Moderne. Am erfolgreichsten wurde "Jenufa", beliebt ist dank märchenhafter Inszenierung und zauberhaft poetischen Klängen "Das schnlaue Füchslein".

Eine beinharte Tragödie verkokster zwischenmenschlicher Beziehungen, Abhängigkeiten und gesellschaftlicher Zwänge ist "Katja Kabanova" nach Ostrowskijs "Gewitter".

Eine Zeitenwanderung schildert die "Sache Makropulos", die Geschichte einer Frau, die das Elixir der ewigen Jugend besitzt, zuletzt aber endlich sterben möchte.
"Die Sache Makropulos" - Vorbericht zur Wiener Neuinszenierung durch Peter Stein in Wien.

Eine Zeitenwanderung beschreibt auch die vielleicht kurioseste aller Janacek-Opern, "Die Ausflüge des Herrn Broucek". Den leidenschaftlichen Biertrinker versetzt die Handlung im Rausch einmal ins Mittelalter, dann auf den Mond . . .


Janaceks Musik trifft in ihrer Unmittelbarkeit, die direkt dem Ausdruckspotential der menschlichen Sprache, aber auch unartikulierten Jubel- oder Schmerzenslauten - und, nicht zu vergessen, Naturgeräuschen - abgelauscht scheint, den Nerv der Zuhörer. Die schrecken davor oft auch zurück und empfinden seine Musik, weil unmittelbar dechiffrierbar, als geradezu zudringlich, ja schwer erträglich. 





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