ARNOLD SCHÖNBERG

Der Stammvater der musikalischen Avantgarde


Die frühen Werke
Die "atonale" Phase
Die Herrschaft der "zwölf Töne"



Stichworte: Zwölftonmusik, Atonalität - kein Komponistenname ist so verbunden mit diesen - für viele Musikfreunde nach wie vor abschreckenden Vokabeln wie der 1874 in Wien geborene Arnold Schönberg.

Der Lebensweg dieses Komponisten war gepflastert mit Zurückweisungen, Skandalen, Demütigungen, aber auch mit Triumphen. Für Kenner galt Schönberg bereits zu Lebzeiten als der führende Kopf der musikalischen Avantgarde, der - auch in der eigenen Wahrnehmung - mit der Erfindung der sogenannten Zwöltonmethode "die Vorherrschaft der deutschen Musik für die nächsten 100 Jahre gesichert" hatte,
In dieser "deutschen Musik" von Bach bis Wagner wurzelt denn auch Schönbergs musikalisches Verständnis. Seine ersten Kompositionen sind noch ganz in der Spätromantik verhaftet, ein frühers Streichquartett in D-Dur klingt sogar ein wenig nach Dvorak. Doch spätestens mit seinen ersten gedruckten Werken, Liedern und dem Streichsextett "Verklärte Nacht" zeigt sich das revolutionäre Potenzial. Doch sind das Sextett und die großformatige Tondichtung "Pelleas und Melisande" noch in erweiterter Dur-Moll-Tonalität komponiert. Sie erfuhren gemischte Bewertungen durch die Zeitgenossen, die 1913 dann das riesenhafte Oratorium "Gurrelieder" mit Ovationen bejubelten.

Schönberg hatte sich zu diesem Zeitpunkt stilistisch längst weiter entwickelt und die Tonalität hinter sich gelassen. Der Bruch mit der harmonischen Tradition ist für Musikfreunde an einem Werk deutlich abzulesen, verläuft er doch quasi mitten durch das Zweite Streichquartett, dessen Uraufführung 1910 im Wiener Musikverein einen der großen Schönberg-Skandale auslöste. Bemerkenswerterweise lässt sich eine deutliche Verbindungslinie zwischen den ästhetischen Neuerungen und menschlichen Katastrophen in Schönbergs Biographie ziehen.


Die stilistische Entwicklung ist an paradigmatischen Werken in Schönbergs Oeuvre-Katalog gut ablesbar:
Die Kammersymphonie op. 9 und das Zweite Streichquartett stehen für die Aufgabe der Tonalität
Die Klavierstücke op. 11 und op. 19 führen zur formalen Konzentration im Zuge des Verlusts des Grundtons
Pierrot Lunaire nutzt die Konzentration der neuen Formen zu einem kleinteiligen Musiktheater en miniature

Das Monodram "Erwartung" ist der Versuch, die neue Freiheit für größere Formen zu nutzen
Die Klaviersuite op. 25 und die Orchestervariationen op. 31 nutzen die Zwölfton-Methode in großem Stil
Die Quartette III und IV zeigen die Entwicklung von der rigoros dissonanten zur abgeklärten Tonsprache
Schönbergs einziger Versuch, mit "Moses und Aron" ein abendfüllendes Zwölfton-Werk zu schaffen, blieb Fragment. Der Text zum dritten Akt wurde nicht vertont. Doch kommt der zweiaktige Torso immer wieder auf die Bühne und gilt als einer der Musiktheater-Meilensteine der Moderne.


DIE REFERENZ-AUFNAHME

von Schönbergs wichtigstem zwölftönigem Orchesterwerk . . .
...stammt von einem Dirigenten, dessen Namen man gemeinhin nicht mit "moderner" Musik verbindet. Freilich:  Was ein echtes Meisterwerk ist, klingt bei entsprechender Darbietung auch überzeugend, oft aufregend - vielleicht sogar schön, wenn der Interpret nicht nur die "moderne" Partitur zu lesen versteht, sondern auch die Wurzeln kennt, aus denen deren Ästhetik gewachsen ist
Wie kaum ein Zweiter kann Herbert von Karajan als Anwalt eines Komponisten gelten, dessen Klangästhetik letztlich in der Spätromantik der Wagner-Nachfolge wurzelt. Kein Dirigent hat den Streichklang der Tondichtung "Verklärte Nacht" (nach einem erotisierenden Gedicht Richard Demels) so aufreizend schön flüstern, aufbegehren, in allen Farben schillern lassen wie Karajan mit seinen Berliner Philharmonikern.  Mit derselben Lust an der differenziertesten Umsetzung der (auch in der Zwölftonphase klangsinnlich aparten) Klangsprache Schönbergs agiert Karajan auch bei einem Schlüsselwerk der musikalischen Avantgarde, das sämtliche Assoziationen zur Romantik hinter sich gelassen hat. In der legendären Box mit Werken der "Wiener Schule" findet sich auch eine Einspielung der zwölftönigen Variationen für Orchester, op. 31,  die an Transparenz und dramaturgischer Stringenz ihresgleichen im CD-Katalog nicht hat.

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