SCHUBERT, DER OPERNKOMPONIST

Anmerkungen zu einer unglücklichen Liebe

Daß er in jungen Jahren gestorben ist, kann nur als halbe Rechtfertigung gelten. Immerhin war der Komponist Franz Schubert schon bei den Zeitgenossen als Erneuerer der Liedkunst und Schöpfer von Kammermusik hochangesehen. Er erfreute sich auch bald als Symphoniker größter Wertschätzung.

Lediglich seine Sehnsucht, einen Erfolg für die Musiktheaterbühne zu schaffen, hat sich nie erfüllt. Nur drei seiner Musikdramen, „Die Zwillingsbrüder”, „Die Zauberharfe” und „Rosamunde”, fanden zu Schuberts Lebzeiten auf die Bühnen. Alle übrigen Versuche fanden keinen Widerhall. Auch spätere Generationen, die im Liedkomponisten Schubert bereits eines der größten Genies der Musikgeschichte erkannten, hielten für den Musikdramatiker nur ein müdes Lächeln bereit. Den Ursachen dieses Problems versucht die Schubert-Forschung seit langem auf den Grund zu gehen. Liegt es an den untauglichen Libretti? An Schuberts Hang zum Lyrischen, der auf dem Theater nichts fruchtet?

Bemühungen, Schubert-Opern in unserem Jahrhundert dauerhaft zu beleben, scheiterten allesamt. So versuchten sich etwa an „Fierrabras” so unterschiedliche Interpreten wie der große Fritz Wunderlich und der Dirigent Claudio Abbado. Die Liste der Rettungs-Unternehmungen reicht von Franz Liszts Uraufführungsdirigat der Oper „Alfonso und Estrella”, dreißig Jahre nach deren Entstehung, bis zu Nikolaus Harnoncourts Einsatz für dieses Werk und das Schwesterstück „Des Teufels Lustschloß” in Zürich – beide waren nach den Zürcher Premeiren auch als Gasspiele bei den Wiener Festwochen als Gastspiele zu sehen.

Eine Ausstellung im Schubertjahr 1997 dokumentierte in Wien Schuberts Opern-Leidenschaft, das künstlerische Umfeld, das in Schubert den Wunsch nach eigenen Opern reifen ließ: Die Vorbilder hießen Gluck, Mozart und Beethoven. Manches theatralische Experiment scheiterte freilich bereits an der rigorosen Zensur im Vormärz, die jegliche zeitgemäßge theatralische Anwandlung im Keim erstickte. Und wo die Opernvorhaben realisiert werden konnten, zeigen sie einen teils grotesken Hang jener Zeit zum Schaudrama. So hat Schubert als Gymnasiast ein Zaubermärchen August von Kotzebues, "Des Teufels Lustschloss". in Musik gesetzt, mit all dem Schauerspuk, der im Biedermeier sozusagen die theatralischen Urbilder zu unseren heutigen schlechten Fernsehkrimiserien abgab.

Immerhin ist die viele wertvolle Musik, die dieser Komponist zum Teil an völlig abstruse Libretti verschwendete, via CD heute zugänglich. Die Musikfreunde können sich also selbst ein Bild machen. Sie haben auch das eine oder andere Video einer neuen szenischen Deutung von Schubert-Opern zur Verfügung - wobei hier manche Regisseurs-Willkür den Blick auf das, was die eigentliche Grundlage der Musik darstellt, verstellt.

Eine DVD dokumentiert einen der Versuche, die zum Schubert-Jahr 1997 gestartet wurden.

  Naxosgif   Alfonso und Estrella, inszeniert von Jürgen Flimm, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt (Naxos).  Der Mitschnitt der Premiere im Theater an der Wien verrät weniger dank der verspielten Szenerie als dank Harnoncourts musikalischer Interpretation viel über Schubert, den Dramatiker, der - einem ungeschickten Libretto geschuldet recht ungeordnet - Racheschwüre, Schlachtenmusiken und seelischern Aufruhr zum beeindruckend wilden, rücksichtslosen Klangtheater mixt, als würde sich ein imaginärer später Liederzyklus des Seelenanalytikers ins Theatralische weiten. Das Visionäre dieser Musik zwischen „Zauberflöte” und „fliegendem Holländer” wird im rauhen, ungeschlachten, aber expressiv-engagierten Spiel des Chamber Orchestra of Erope offenbar.




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